Möchten Sie unsere Android App installieren?

1. April 2022 13:18 Uhr

Kraftstoffpreise im März 2022

Deutsche Autofahrer im Preisschock: 
Benzin und Diesel knacken im März erstmals 2-Euro-Marke

  • Auswertung von Clever Tanken zeigt: Super E10 rund 32 Cent, Diesel rund 47 Cent teurer als im Februar 
  • Super E10 am günstigsten in Bonn, Leipzig und Bielefeld
  • Super E10 am teuersten in München, Hannover und Bremen
  • Diesel am günstigsten in Bielefeld, Bonn und Bochum
  • Diesel am teuersten in München, Wuppertal und Stuttgart 

Nürnberg, 1. April 2022. Der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine hat die Ölpreise im März weiter stark unter Druck gesetzt. Das spürten auch deutsche Autofahrer beim Stopp an der Tankstelle mehr als deutlich. Laut der monatlichen Auswertung des Verbraucherinformationsdienstes Clever Tanken kostete der Liter Super E10 hierzulande im Monatsschnitt rund 2,0697 Euro. Das waren etwa 32 Cent mehr als noch im Februar. Für den Liter Diesel zahlten Autofahrer im Mittel rund 2,1441 Euro und damit etwa 47 Cent mehr als im Vormonat. „Die Preise an den Tankstellen waren im März für deutsche Autofahrer ein Schock. Für beide Kraftstoffsorten wurden die höchsten Durchschnittspreise aufgerufen, die Clever Tanken seit Start der regelmäßigen Auswertungen im Juni 2012 je ermittelt hat. Über 2 Euro waren die Preise in all den Jahren noch nie geklettert“, erläutert Steffen Bock, Gründer und Geschäftsführer von Clever Tanken. 

Der Vergleich mit den Vorjahreswerten macht den enormen Preissprung noch deutlicher. Rund 62 Cent mehr als im März 2021 kostete im vergangenen Monat der Liter Super E10 und rund 83 Cent mehr der Liter Diesel. Für vier Tankfüllungen à 60 Liter Super E10 zahlten Autofahrer im vergangenen Monat im Schnitt 496,73 Euro. Das waren rund 76,56 Euro mehr als im Vormonat sowie rund 148,39 Euro mehr als im Vorjahresmonat. Dieselbe Menge Diesel kostete im März rund 514,58 Euro. Das waren 113,57 Euro mehr als noch im Februar sowie rund 199,75 Euro mehr als im Vorjahresmonat.

Ölpreis kratzt an 140-Dollar-Marke 

Nach den Worten von Steffen Bock lag die Hauptursache der hohen Kraftstoffpreise im März an den stark kletternden Ölpreisen. Diese waren bereits in den Monaten zuvor gestiegen, da die Nachfrage nach Erdöl im Zuge der Erholung der Weltwirtschaft von der Corona-Krise zugenommen hatte. Zugleich aber war das Angebot bereits damals vergleichsweise gering gewesen, auch weil der Ölverbund Opec+ die eigenen Fördermengen nur zögerlich angehoben hatte. Mit zunehmender Dauer des Ukraine-Krieges aber hatte die hierzulande wichtige Sorte Brent am 7. März schließlich sogar kurzzeitig die Marke von 139 US-Dollar pro Barrel (159 Liter) überschritten. Das war der höchste Stand seit Sommer 2008. Im Tagesverlauf hatte sich der Preis zwar bei rund 130 US-Dollar pro Barrel eingepegelt. Dennoch waren damit die Preise innerhalb von rund zwei Wochen seit Beginn der Invasion um mehr als 30 Prozent gestiegen.   

Steffen Bock: „Russland ist weltweit der drittgrößte Ölproduzent. Der Krieg in der Ukraine ist seit seinem Beginn daher eng verbunden mit der Angst vor russischen Lieferausfällen – entweder aufgrund von Sanktionen beziehungsweise dem Lieferboykott des Westens oder durch einen Lieferstopp Russlands. Diese Furcht spiegelt sich an den Börsen und damit auch an den Zapfsäulen wider.“   

Benzin-Diesel-Schere dreht sich erstmals um

Der Preisunterschied zwischen Super E10 und Diesel lag im März bei minus 0,0744 Euro pro Liter. Damit hat sich die Benzin-Diesel-Schere erstmals seit dem Start der Monatsauswertung von Clever Tanken im Juni 2012 zuungunsten von Diesel umgedreht. Diesel ist damit erstmals teurer als Benzin. Der Grund, warum Diesel derzeit sehr viel teurer ist als Super E10, liegt laut Steffen Bock daran, dass viele Verbraucher ihre Heizölvorräte aufstocken. „Normalerweise warten Hausbesitzer auf den Kauf von Heizöl bis in die günstigeren Sommermonate oder kaufen dann, wenn im Herbst die Temperaturen fallen. Da aber niemand weiß, wie sich die Situation in der Ukraine entwickelt, greifen viele schon jetzt zu.“

Günstigste und teuerste Tank-Tage 

In den ersten beiden Märzwochen kannten die Kraftstoffpreise nur eine Richtung: aufwärts. Die Schallmauer von 2 Euro hatten Super E10 und Diesel schließlich am Montag, den 7. März, durchbrochen. 2,0110 Euro kostete der Liter Super E10 an diesem Tag im Bundesschnitt und 2,0320 Euro der Liter Diesel. Zwar fielen die Durchschnittspreise ab der dritten Monatswoche wieder – unter die 2-Euro-Marke rutschten sie bis Monatsende allerdings nicht mehr.  

Der günstigste Tank-Tag für beide Kraftstoffsorten war Dienstag, der 1. März. 1,8280 Euro kostete an diesem Tag der Liter Super E10 im Schnitt und 1,7560 Euro der Liter Diesel. Am meisten zahlten Autofahrer hingegen für beide Kraftstoffsorten am 10. März. 2,2030 Euro kostete an diesem Donnerstag der Liter Super E10 und 2,3290 Euro der Liter Diesel.

Städteranking im März 

Den Preisvergleich der 20 größten deutschen Städte von Clever Tanken entschied im März Bonn als günstigste Super-E10-Tankstadt für sich. 2,0404 Euro zahlten Autofahrer hier pro Liter. Auf den Plätzen zwei und drei folgten Leipzig (2,0429 Euro) und Bielefeld (2,0477 Euro).

Am teuersten war Super E10 hingegen in München (2,0835 Euro), Hannover (2,0820 Euro) und Bremen (2,0797 Euro).  

Für vier Tankfüllungen à 60 Liter Super E10 bezahlten Autofahrer im teuren München rund 500,04 Euro und damit etwa 10,34 Euro mehr als im günstigeren Bonn. 

Dieselfahrer zahlten im März am wenigsten in Bielefeld (2,1051 Euro), Bonn (2,1124 Euro) und Bochum (2,1187 Euro). Am meisten zahlten sie in München (2,1657 Euro), Wuppertal (2,1615 Euro) und Stuttgart (2,1575 Euro).

Ausblick 

Wie sich die Preise im April entwickeln werden, hängt laut Steffen Bock stark von den weiteren Geschehnissen in der Ukraine ab. „Zwar hat der Ölpreis ab der zweiten Märzhälfte nahezu Vorkriegsniveau erreicht. Das aber liegt vor allem an der sinkenden Erdölnachfrage aus China. Denn dort haben eine neue Corona-Pandemiewelle und damit verbundene Lockdowns die Nachfrage stark gedämpft. Zudem hat US-Präsident Joe Biden Ende März angekündigt, die strategischen US-Ölreserven massiv anzuzapfen und damit die Preise zu stützen. Gleichzeitig aber weigert sich das Ölkartell Opec+ auch nach einem Treffen am gestrigen Donnerstag weiterhin, die eigenen Fördermengen spürbar anzuheben und damit die Preise zusätzlich zu entlasten. Und: Die weitere Kriegstaktik Russland ist derzeit ebenso ungewiss wie die Reaktionen der westlichen Länder darauf. Prognosen sind daher derzeit schwierig“, sagt Bock. 

In Deutschland spielt nach Worten des Experten zudem das Verhalten der Mineralölkonzerne eine wichtige Rolle bei der weiteren Preisentwicklung im kommenden Monat. Denn obwohl die Ölpreise wieder gefallen sind, spürten Autofahrer hierzulande an den Zapfsäulen davon wenig. Eine Ursache dafür könnte sein, dass die mineralölverarbeitende Industrie ihre Margen und damit ihre Gewinne erhöht hat. Steffen Bock: „Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck will deshalb dem Bundeskartellamt zwar mehr Befugnisse einräumen, sodass dieses künftig nicht nur die Tankstellenbetreiber, sondern auch die Raffinerien und Großhändler beobachten kann. Wann dieses Vorhaben allerdings greift, ist derzeit jedoch ebenso ungewiss wie das geplante Maßnahmenpaket der Bundesregierung, das Diesel und Benzin günstiger machen soll.“  

Preisvergleich via App, Navi oder Internet zahlt sich aus

Mit Blick auf diese Aussichten rät Steffen Bock Autofahrern dazu, die Kraftstoffpreise entlang geplanter Fahrtrouten zu vergleichen oder regelmäßig genutzte Tankstellen dauerhaft im Blick zu haben. „Über Apps, das Navigationsgerät oder das Internet lassen sich die günstigsten Tankstellen der Umgebung ermitteln. Zudem können Tankstellen in der App von Clever Tanken als Favoriten anlegt werden. Diese können Autofahrer beobachten und so günstige Tankzeiten ermitteln. Teure Autobahntankstellen sollten sie jedoch stets meiden, wenn das ohne Umwege möglich ist.“

Beachten sollten Autofahrer dabei, dass es seit langem mancherorts bis zu sechs Preisspitzen am Tag gibt – insbesondere an den Markentankstellen. Steffen Bock: „Teilweise kommt es an ein und derselben Tankstelle zu Unterschieden von bis zu 15 Cent pro Tag. Beim Vergleich aller Tankstellen einer Stadt sind innerhalb von 24 Stunden auch schon mal bis zu 22 Cent drin.“ Günstige Tankzeiten bieten sich oft im Zeitraum zwischen 8 und 10 Uhr, 12 und 13 Uhr sowie 20 und 22 Uhr. Allerdings sind Abweichungen von diesen Regeln immer möglich.